„Arbeit im Kapitalismus – Corona als Transformationsbeschleuniger?“ Diskussionsveranstaltung mit Stefanie Hürtgen, Ronald Hartz, Carolin Mauritz und Werner Nienhüser auf der Sommerakademie von Attac 2020

Quelle: https://www.attac.de/sommerakademie/start/

Die Sommerakademie von Attac findet dieses Jahr online statt. Jede/r kann an  den vielen Veranstaltungen kostenlos online teilnehmen. 

Die Veranstaltungen stehen unter dem Motto:

„System change! Aber wie?“

Ich erlaube mir, auf eine Veranstaltung hinzuweisen, an der ich beteiligt bin.

Arbeit im Kapitalismus – Corona als Transformationsbeschleuniger?

mit den Organisator*innen Carolin Mauritz und Prof. Dr. Werner Nienhüser sowie den Referent*innen Dr. Stefanie Hürtgen und PD Dr. Ronald Hartz
Sonntag, 19. Juli 2020 – 10 Uhr

„„There is a crack in everything / That’s how the light gets in”. Dieses Zitat aus dem Lied und Gedicht „Anthem“ von Leonard Cohen trifft einen Aspekt der gegenwärtigen Krise: Die Corona-Pandemie zeigt die Risse im System der kapitalistischen Arbeitsorganisation, sie erhellt Probleme, Schwachstellen, Risse werden sichtbar. Die Risse verschwinden aber nicht dadurch, dass sie sichtbar werden. Wir müssen etwas dafür tun – das System reparieren, umbauen, neu aufbauen.Mit zwei Expert*innen soll über die folgenden Fragen gesprochen werden: Welche Veränderungen für die Organisation von Arbeit hat die Pandemie bewirkt; welche Probleme (Risse) sind sichtbar geworden? Ist (auch über Naheliegendes, wie vermehrtes Arbeiten im Home Office hinaus) etwas Neues entstanden, was sich zu bewahren und zu verstärken lohnt? Gibt es negative Entwicklungen, gegen die wir etwas tun müssen? Wie schätzen die Referent*innen die langfristige Entwicklung der Organisation von Arbeit ein?

In dem Gespräch sollen auch die Differenzen zwischen Beschäftigtengruppen und die internationale Arbeitsteilung in den Blick genommen werden: Die Organisation von Arbeit in der Fleischwirtschaft unterscheidet sich von der in Architekturbüros und Hochschulen. Wenn Primark und Co. weniger Wegwerf-T-Shirts einkaufen, verlieren in Bangladesch Arbeiter*innen ihre Ernährungsgrundlage. Schließlich wird gefragt: Was ist zu tun? Spätestens bei dieser Frage ist auch die nach den Machtverhältnissen zu stellen.“ (Direkte Einwahl hier: https://vk.attac.de/b/han-wtv-447)

Fleischindustrie – Arbeitsbedingungen und (unser aller) Gesundheit

Die Arbeits- und Vertragsbedingungen in der Fleischindustrie sind schon seit Langem inakzeptabel. Warum diskutieren wir erst jetzt darüber intensiver? Ich habe den Eindruck, dass sich in „der Politik“ erst etwas bewegt, wenn in Landkreisen wie in Coesfeld und Gütersloh Tausende von Menschen in Quarantäne müssen und Kitas, Kindergärten und Schulen erneut geschlossen werden. Es wäre sehr traurig, wenn es stimmte:  Erst, wenn es viele Wähler*innen betrifft, werden Politiker*innen aktiv – die Werksvertrags-Beschäftigten aus anderen Ländern sind unwichtig. (Ich hoffe nach wie vor, dass diese Einschätzung nicht für alle Politiker*innen gilt.).

Das folgende Video zeigt laut der Webseite Arbeitsunrecht.de den Tönnies-Schlachthof im April 20201. Infektionsschutz? – Null.

 

Danach können sich die Beschäftigten in diesem Unternehmen nicht gegen Infektion schützen. Dann wäre das Unternehmen hauptverantwortlich.

Siehe dazu auch den Beitrag: Neurohr, Wilhelm 2020: „Wie die Corona-Krise Missstände an den Schlachthöfen beseitigen hilft: Die unendliche Geschichte des Schlachtbetriebes Oer-Erkenschwick„. 


1. Die Frage, wann das Video gedreht wurde, ist wichtig. Der SWR hat die Metadaten des Originalvideos analysieren lassen. Danach stammt das Video vom 8. April 2020. Es wurde also nach Inkrafttreten der Hygiene-Verschärfungen in NRW aufgenommen. – Tönnies sagt etwas anderes: Nachdem Tönnies zunächst bestätigt hatte, dass das Video von Anfang April stammt, korrigierte das Unternehmen diese Bestätigung nun und sagt, das Video sei bereits am 28. März aufgenommen worden (Tagesschau v. 19.6.2020).

Hier einige Informationen dazu. Tagesschau v. 19.6.2020: Eine übervolle Kantine, Mindestabstand – Fehlanzeige: Ein Video aus der Tönnies-Fleischfabrik, das dem SWR vorliegt, zeigt Verstöße gegen Hygienevorschriften – nachdem diese vom Land NRW verschärft wurden. Nach Recherchen des SWR hat das Unternehmen Tönnies gegen die Hygienevorschriften des Landes Nordrhein-Westfalen verstoßen, die seit dem 30. März gültig waren. Das belegt ein Video, das in der Betriebskantine von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück aufgenommen und am Montag öffentlich wurde. Nach SWR-Recherchen ist das Video am 8. April dieses Jahres entstanden. Das geht aus einer Analyse der Metadaten des Originalvideos hervor, das dem SWR vorliegt. Das sogenannte Kodierungsdatum ist darauf auf den 8. April 2020 um 8.39 Uhr datiert. Demnach ist das Video nach Inkrafttreten der Hygiene-Verschärfungen in NRW aufgenommen worden.“ (Tagesschau vom 19.6.2020).

RP Online schreibt am 19.6.2020: „Rheda-Wiedenbrück Aus dem Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück ist ein Video aus der Kantine mit mutmaßlichen Verstößen gegen Corona-Präventionsregeln aufgetaucht. Zudem waren dort im Mai Verstöße beim Arbeitsschutz festgestellt worden. Der Sprecher stellte am Freitagmorgen klar, dass es in der Krisenkommunikation eine Panne gegeben habe. Eine Bestätigung, dass das Video von April stamme, sei falsch gewesen. Das Video müsse im März gedreht worden sei, da es seit dem Monatsende bei Tönnies bekannt sei. … Laut Tönnies hatten sich die Arbeiter damals in der Kantine nur mit Kollegen aufgehalten, mit denen sie auch in einer Abteilung zusammen gearbeitet hatten. Dieses Verhalten, das sogenannte Clustern, sei mit dem Arbeitsschutz abgestimmt gewesen. Das Video zeigt die Mitarbeiter in einem Kantinenraum. Sie sitzen an Tischen nebeneinander und essen. Das Unternehmen erklärte dazu in der Stellungnahme, dass es in dieser Phase der Pandemie keine vermehrten Positivfälle gegeben habe. Seitdem seien die Plätze „erheblich“ reduziert und eine Mundschutzpflicht in der Kantine eingeführt worden. „Wir waren uns bewusst, dass bei all unseren Maßnahmen wir einen Zielkonflikt zwischen der Pandemie-Prävention und der Lebensmittelversorgung haben. Dazu gehört auch eine angemessene Versorgung unserer Mitarbeiter in ihren Pausen“, erklärte Tönnies weiter. … Bei Kontrollen in der Kantine des Schlachtbetriebs hatte der Arbeitsschutz zwischen dem 11. und 18. Mai Mängel zudem festgestellt. Zwischen den Nutzern einer Kantine seien die Abstände zu gering gewesen, teilte ein Sprecher der Bezirksregierung Detmold der Deutschen Presse-Agentur mit. Bei einer Nachkontrolle am 29. Mai seien die Mängel bei den Hygienevorgaben abgestellt gewesen. Auch sei die Zahl der Sitzplätze wie verlangt reduziert worden. … “ (Quelle: RP Online v. 19.6.2020; Hervorhebung durch Kursivschrift: WN)  

Der „Focus„:  „Nach Recherchen des SWR ist das Video am 8. April dieses Jahres entstanden. Das geht aus einer Analyse der Metadaten des Originalvideos hervor, das dem Sender vorliegt.  Das sogenannte Kodierungsdatum des Videos ist datiert auf den 8. April 2020 um 8.39 Uhr. Demnach ist das Video nach Inkrafttreten der Hygiene-Verschärfungen in NRW aufgenommen worden. …  Das im Netz kursierende Video ist uns im Unternehmen seit dem 28. März 2020 bekannt“, erklärte ein Tönnies-Sprecher jetzt der Deutschen Presse-Agentur. In der Krisenkommunikation habe es eine Panne gegeben und eine Bestätigung, dass das Video von Anfang April stamme, sei falsch gewesen.“ „Stadtratsmitglied Volker Brüggenjürgen sagte dem SWR, er selbst habe Mitte April an einer Werksführung des Unternehmens teilgenommen und dort ähnliche Zustände vorgefunden, wie in dem Video zu sehen sind.  Für Brüggenjürgen sei es daher offensichtlich, dass bis weit in den April hinein eine ähnliche Situation wie im Video bei Tönnies Alltag war.“ (Focus v. 19.6.2020).

Fasst man den bisherigen Informationsstand zusammen, dann hätte es sogar noch bis zum 18. Mai einen zu geringen Abstand zwischen den Arbeitern gegeben (RP Online v. 19.6.2020). 

 

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„Corona – Auswirkungen der Pandemie auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt“ – Informationen des IAB

Wichtige Informationen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu

Corona – Auswirkungen der Pandemie auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt

„Wirtschaft und Arbeitsmarkt stehen durch die Ausbreitung des Coronavirus vor großen Herausforderungen. Zur Unterstützung von Beschäftigten und Unternehmen hat der Bundestag im Eilverfahren u.a. einen leichteren Zugang zum Kurzarbeitergeld beschlossen.
Diese Infoplattform stellt Einschätzungen aus Forschung und Politik zu den Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt, die wirtschaftliche Entwicklung und notwendige Maßnahmen in Deutschland zusammen.“ (https://infosys.iab.de/infoplattform/dokSelect.asp?pkyDokSelect=165&sortLit=2&show=Lit)