„Der Wunsch von Vollzeitbeschäftigten nach „Lifestyle-Teilzeit“ ist ein Randphänomen“ – schreibt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), siehe dazu weiter unten die empirischen Daten.
Politisch kann es sinnvoll sein, zunächst weitreichende Forderungen zu stellen, die man dann (scheinbar oder tatsächlich bereitwillig) wieder zurückzieht, um bei anderen Forderungen etwas zu erreichen, was dem Verhandlungspartner oder politischen Gegner und auch der Öffentlichkeit gegenüber als Kompromiss dargestellt werden kann. So sieht es in diesem Fall aus: Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion fordert, das Recht auf Teilzeit einzuschränken. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) weist dann einige Tage später den Vorschlag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion zurück und sieht „keinen Änderungsbedarf“, fordert aber zugleich: „Ich glaube, dass wir weg müssen von diesem reinen Acht-Stunden-Tag und hin zu einer Wochenarbeitszeit“ (zitiert nach: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/ich-sehe-da-keinen-anderungsbedarf-dobrindt-weist-forderung-nach-einschrankung-des-teilzeit-rechts-zuruck-15182091.html).
Mag sein, dass die Forderungen der Mittelstands- und Wirtschaftsunion nicht mit dem Ziel gestellt worden sind, andere arbeitszeitpolitische Forderungen besser durchsetzen zu können. Eine entsprechende Funktion erfüllt die kontrafaktische Unterstellung einer „Lifestyle-Teilzeit“ und die Forderung nach Abschaffung eines nicht existierenden Problems aber allemal.
Fakten

„Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion fordert in einem Antrag zum CDU-Parteitag den Rechtsanspruch auf Teilzeit einzuschränken. Dieser solle künftig „nur bei Vorliegen einer besonderen Begründung gelten“. Als mögliche Gründe wurden Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder Weiterbildungen genannt. Richtig ist: Einer aktuellen Befragung zufolge sind 21,5 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in Deutschland unzufrieden mit ihrer Arbeitszeit und möchten diese um mindestens vier Stunden pro Woche reduzieren. Allerdings wünschen sich nur 3,2 Prozent einen Wechsel in Teilzeit allein deswegen, weil sie mehr Zeit für sich und ihre Hobbys haben wollen.
Ein wesentlicher Teil der Vollzeitbeschäftigten, die auf Teilzeit reduzieren, tut dies in Zusammenhang mit Sorgeverpflichtungen, Weiterbildungen oder aus gesundheitlichen Gründen. Denn nur 7,4 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten haben in den vergangenen zwei Jahren ihre Arbeitszeit um mehr als vier Wochenstunden reduziert, ohne dass eines dieser Kriterien zutraf. Diese Gruppe besteht jedoch nicht ausschließlich aus Personen, die ihre Arbeitsstunden reduzieren wollen, um mehr Zeit für sich und ihre Hobbys zu haben. Denkbar sind hier auch verschiedene andere Gründe, die sich mit den verwendeten Befragungsdaten nicht eindeutig erfassen lassen, wie Pflege von Angehörigen, Aufbau einer Selbstständigkeit oder Stundenreduzierungen, die vom Arbeitgeber vorgegeben werden.“
(Quelle: Stefan Schwarz; Hannah Steinberg; Jonas Weik; Benjamin Baisch (2026): Der Wunsch von Vollzeitbeschäftigten nach „Lifestyle-Teilzeit“ ist ein Randphänomen, IAB-Forum v. 10.2.2026, DOI: 10.48720/IAB.FOO.GA.20260210.01)