Faktencheck: Insolvenzen

Insolvenzen

Behauptung: Insolvenzen nehmen zu.

„IWH-Insolvenztrend: Firmenpleiten 2025 auf höchstem Stand seit zwei Jahrzehnten
Wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einer heute veröffentlichten Analyse feststellt, stieg die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland im Dezember wieder deutlich an. Im Gesamtjahr 2025 gab es so viele Firmenpleiten wie seit 20 Jahren nicht mehr.“ (https://www.iwh-halle.de/presse/pressemitteilungen/detail/iwh-insolvenztrend-firmenpleiten-2025-auf-hoechstem-stand-seit-zwei-jahrzehnten)

Firmeninsolvenzen Screenshot der Abbildung des IWH vom 9.1.2026

Die Abbildung zeigt einen Anstieg der Insolvenzen. Die Anzahl der Insolvenzen kann man m.E. zu Recht als einen Indikator für die gegenwärtige wirtschaftliche Situation sehen. Und eine Analyse der Veränderungen über die Zeit stellen eine sinnvolle Beschreibung von Entwicklung der Vergangeheit dar. (Auf Probleme, die bei aufträten, wollte man mit solchen Beschreibungen vergangener Entwicklungen zukünftige Entwicklungen prognostizieren, will ich hier nicht eingehen.)

Kann man aber tatsächlich einen längerfristigen Trend zu mehr Firmenpleiten, einen „Insolvenztrend“ eben, erkennen? Bei einer solchen Interpretation kommt es auf den Vergleichszeitraum an. Das IWH verwendet zum einen den Zeitraum von 2020 bis 2025, zum anderen die Werte jeweils für „Dezember der Jahre 2016 bis 2019“. Wählt man allerdings einen längeren Vergleichszeitraum (2000 bis 2024), dann sieht die Entwicklung deutlich weniger schlecht aus.

 

Firmeninsolvenzen Screenshot der Abbildung des Statistischen Bundesamtes vom 9.1.2026

Zwar sieht man den Anstieg der Insolvenzen in den letzten Jahren. Auf den gesamten Zeitraum zeigen die Werte eher eine Abnahme der Insolvenzen. Man müsste die Frage stellen, ob es so etwas wie einen „Normalwert“ der Insolvenzen gibt, den man als Referenz heranziehen kann.

Zu fragen ist wohl auch: Was sind für die Medien interessante Meldungen? Der von Brosius u.a. (1991) diagnostizierte sogenannte  „Immermehrismus“ als Stilmittel des Journalismus dürfte in Zeiten der verstärkten Nutzung digitaler Medien nicht an Bedeutung verloren haben((Brosius, H.-B., Breinker, C., & Esser, F. (1991). Der »Immermehrismus«: Journalistisches Stilmittel oder Realitätsverzerrung? Publizistik, 36(4), 407–427. https://doi.org/10.1007/BF03653659)). Meldungen, die etwas Negatives indizieren, ziehen vermutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich.